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Netzwerkkultur

Arbeitswelt 4.0: Kultur ist die Grundlage für Unternehmenserfolg

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Prof. Dr. Heike Bruch ist Direktorin des Instituts für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen. Sie ist mehrfach ausgezeichnet als führende Wissenschaftlerin in der Personalforschung und berät europaweit Top-Unternehmen und Führungskräfte unter anderem in Sachen Leadership und Kultur-Change.

Frau Bruch, welchen großen Veränderungen müssen sich Unternehmen stellen?

Prof. Dr. Heike Bruch Die meisten Unternehmen befinden sich aktuell im Umbruch – vor allem getrieben durch die digitale Transformation. Die Reise geht in Richtung Netzwerkunternehmen. Diese Unternehmensform zeichnet sich durch eine starke Flexibilität aus, flache Hierarchien und fluide Strukturen. Das heißt, Strukturen bilden sich mit den anstehenden Aufgaben und lösen sich auf, wenn Projekte beendet sind. Es wird daher immer häufiger der Fall sein, in wechselnden Teams zu arbeiten. Und auch bei der Frage, wo und wann gearbeitet wird, werden Mitarbeitende künftig stärker mitentscheiden können.

Und wie gelingt Unternehmen der Weg in die neue Arbeitswelt?

Bruch Der Prozess verläuft nicht ohne Stolpersteine, weil es noch kaum Unternehmen gibt, die als Vorbilder fungieren können und an denen man sich orientieren könnte. Die meisten Unternehmen stecken noch mitten in diesem Veränderungsprozess. Ein entscheidender Faktor, um in der neuen Arbeitswelt erfolgreich zu sein, ist die Unternehmenskultur. Wenn diese nicht zu den neuen Herausforderungen passt, müssen Unternehmen sie aktiv verändern.

„Ein entscheidender Faktor, um in der neuen Arbeitswelt erfolgreich zu sein, ist die Unternehmenskultur.“

Prof. Dr. Heike Bruch, Direktorin des Instituts für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen

Welche Kultur brauchen Unternehmen, um gut auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet zu sein?

Bruch Klare Kulturregeln und gelebte Werte, wie Vertrauen und gegenseitige Unterstützung, werden für die neue Arbeitswelt wichtiger. Dazu gehört auch ein offener, konstruktiver Umgang mit Fehlern. Statt in „Silos“ zu denken, sollten die übergeordneten Ziele für alle im Vordergrund stehen. Um solch eine Kultur zu schaffen, müssen Unternehmen ihre Muster, Mindsets und Ziele hinterfragen und bereit sein, diese zu erneuern.

Wie können Unternehmen den Veränderungsprozess vorantreiben?

Bruch Ziel sollte sein, eine Vertrauenskultur zu etablieren, eine Art der Führung, die langfristige, übergeordnete Ziele aufzeigt, sodass die Mitarbeitenden sich identifizieren können und nicht nur ihre eigenen Aufgaben im Kopf haben und im Alleingang arbeiten. Es sollten Wege gesucht werden, um die Mitarbeitenden zu beteiligen und bei ihnen die Sehnsucht zu wecken, die Unternehmensziele zu erreichen. Dazu gehört es auch, die Mitarbeitenden Dinge ausprobieren zu lassen.

Wie muss sich Führung verändern, um den Kulturwandel zu unterstützen?

Bruch Führungskräfte müssen in der neuen Arbeitswelt viel sinnorientierter führen und inspirieren. Nur über Kennzahlen zu steuern, funktioniert nicht. Vielmehr müssen Führungskräfte künftig noch flexibler zwischen beiden Führungsweisen, der innovationsorientierten und effizienzorientierten, wechseln können – je nachdem, was die jeweilige Situation erfordert.

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