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„Wir brauchen endlich strengere Kontrollen für Medizinprodukte“

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TK-Medizinrechtsexperte Christian Soltau im Interview: Warum es dringend nötig ist, die Patientensicherheit durch strengere Kontrollen von Medizinprodukten zu gewährleisten.

Brustimplantate aus krebserregendem Industriesilikon oder künstliche Gelenke, die Patienten durch Metallabrieb vergiften – immer wieder sorgen mangelhafte Medizinprodukte für Skandale. Die TK kritisiert seit Jahren die unzureichenden Sicherheitsstandards für Medizinprodukte. Im Interview erklärt Christian Soltau, TK-Experte für Behandlungsfehler und Medizinprodukte, warum sich dringend etwas ändern muss.

Herr Soltau, im vergangenen Jahr hat ein internationales Recherchenetzwerk unter der Überschrift #ImplantFiles für zahlreiche Medienberichte zum Thema gesorgt. Hat das geholfen, die Patientensicherheit voranzubringen?

Christian Soltau Das Thema ist in Bewegung gekommen, es gibt inzwischen ja auch einen Gesetzentwurf, der ein verpflichtendes, zentrales Implantateregister vorsieht. Wenn ich in Zukunft ein künstliches Gelenk oder einen Herzschrittmacher eingesetzt bekomme, muss die Klinik melden, wann, wo und wem ein bestimmtes Produkt ein- und ausgebaut wurde. So lässt sich nachvollziehen, wenn die Implantate von einem bestimmten Hersteller oder bestimmte Modelle gehäuft schon nach kurzer Zeit ausfallen oder Probleme verursachen. Auch wenn bestimmte Kliniken – beispielsweise spezialisierte Zentren mit viel Erfahrung – erfolgreicher bei der Implantateversorgung sind als andere, lässt sich das nachvollziehen. Das schafft Transparenz und kann die Versorgung verbessern.

„Wir müssen endlich ernstzunehmende Kontrollen bei der Zulassung von Medizinprodukten schaffen.“

Christian Soltau, Medizinrechtsexperte bei der TK

Was fehlt Ihrer Ansicht nach im Implantateregister-Gesetz?

Soltau Schade ist, dass die Krankenkassen nicht in die Informationskette eingebunden werden. Denn bisher informieren die Hersteller bei Produktwarnungen nur die Kliniken, die dann die Betroffenen kontaktieren. Das wird schwierig, wenn diese beispielsweise inzwischen umgezogen sind und die Klinik die neuen Adressen nicht hat. Die Krankenkassen haben in der Regel aktuelle Kontaktdaten und könnten diese Lücke schließen. Außerdem brauchen wir dringend Strafen für Hersteller, die trotz Sicherheitsproblemen keine Sicherheitswarnung für ihre Produkte herausgeben.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten…

Soltau Ich sehe noch viel Luft nach oben. Ein wichtiger Punkt ist, dass wir endlich ernstzunehmende Kontrollen bei der Zulassung von Medizinprodukten wie Herzschrittmachern und künstlichen Gelenken schaffen. Dazu brauchen wir zum einen eine zentrale Zulassungsstelle. Außerdem müssen wir diese Geräte endlich ähnlich streng wie Arzneimittel in der Praxis testen, bevor Ärztinnen oder Ärzte sie bei Hunderttausenden einbauen. Vertreter der US-Gesundheitsbehörden bezeichnen Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa derzeit als „Versuchskaninchen“ der Hersteller – leider nicht ganz unberechtigt. Deshalb brauchen wir weiterhin öffentlichen Druck, damit sich etwas verbessert. Wir werden uns auch in Zukunft für die Sicherheit unserer Versicherten einsetzen.

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Christian Soltau arbeitet als Medizinrechtsexperte bei der TK. Sein besonderes Augenmerk gilt hier der Patientensicherheit, die er über verschiedene berufliche Stationen vorantrieb. In diesem Jahr will er sich einen lang gehegten Traum erfüllen und mit seinem Oldtimer Frankreich bereisen.

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