vorstandsinterview_header

Vernetzung ist der Schlüssel zum Erfolg

Zur Übersicht Zur Übersicht

Lesezeit 8 Minuten Lesezeit

Das Gesundheitssystem befindet sich mitten im digitalen Wandel. Was bedeutet für die TK in diesem Spannungsfeld "vernetzt"? Ein Gespräch mit dem Vorstand der TK: Dr. Jens Baas (Vorstandsvorsitzender), Thomas Ballast (stellvertretender Vorstandsvorsitzender) und Karen Walkenhorst (Mitglied des Vorstands).

Herr Dr. Baas. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in den letzten Monaten mit enormem Tempo die Digitalisierung im Gesundheitsbereich vorangetrieben. In welcher Rolle sehen Sie hier die TK?

Dr. Jens Baas Die Regierung zeigt sich für die digitale Transformation offen, will Neues ermöglichen und starre Regulierungen abbauen. Das sind für uns gute Rahmenbedingungen. Dabei sehe ich uns klar in der Pflicht: Wir als TK müssen die Digitalisierung im Sinne unserer Versicherten vorantreiben und mitgestalten. Global agierende Großunternehmen, unter anderem die Tech-Riesen, drängen in den Gesundheitsmarkt. Sie bieten auch Krankenversicherungen an oder versuchen, zwischen Versicherten und Kasse oder auch zwischen Patienten und Arzt Fuß zu fassen.

vorstandsinterview_content_04 Bild im Overlay öffnen
Der TK-Vorstand (v.l.n.r.): Dr. Jens Baas, Karen Walkenhorst und Thomas Ballast
Was bedeutet das für die TK und ihre Versicherten?

Baas Wir wollen selbst gestalten und nicht zum Produktlieferanten für internationale Unternehmen werden. Wir wollen den direkten Kontakt zu unseren Kunden behalten und ihnen eigene innovative Ideen bieten. Uns geht es dabei auch um den größtmöglichen Schutz der Daten in Verbindung mit unkompliziertem Datenaustausch. Für uns ist der Bereich Gesundheit kein Profitfeld, wie für viele globale Wirtschaftsunternehmen, sondern wir sind der Idee einer sozialen Krankenversicherung als Solidarsystem verpflichtet. Aber: Wir brauchen natürlich auch das Wissen und die Erfahrung von IT-Unternehmen, um ein digitales Netz im Gesundheitsbereich zu etablieren und unsere Rolle als Gesundheitspartner für unsere Versicherten auszubauen.

Was heißt hier „digitales Netz“?

Karen Walkenhorst Digitale Netze sind kundenzentrierte Netzwerke, über die Produkte und Dienstleistungen von verschiedenen Anbietern gebündelt angeboten werden. Oft spricht man auch von „digitalen Ökosystemen“. Ein Beispiel: Sie lassen sich Ihre Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs aus einer Hand liefern, gleichzeitig versorgt Sie dieses Netz mit dem Streamen Ihrer Lieblingsfilme und bietet Ihnen noch Finanzdienstleistungen wie eine Kreditkarte an. So einen umfassenden Service für den Bereich Gesundheit wollen wir auch anbieten. Denn unsere Versicherten erwarten heute einen anderen Service als noch vor fünf Jahren. Sie wollen online mit ihrer Krankenkasse kommunizieren und ihre Anliegen schnell und komfortabel digital erledigen. Das gilt im Übrigen auch für viele Leistungserbringende. Im Zentrum steht eine digitale Plattform, über die die verschiedenen Leistungen der TK integriert werden. Unser Ziel ist es, einen hohen Kundenmehrwert zu bieten, indem wir innovative technische Lösungen mit einem weiterhin hohen persönlichen Anteil in der Betreuung unserer Versicherten verbinden.

Herr Ballast, können Sie ein Beispiel nennen, wie das für Versicherte konkret aussieht?

Thomas Ballast Lassen Sie mich ein Szenario aus gar nicht ferner Zukunft zeichnen: Stellen Sie sich vor, Sie rutschen aus und verletzten sich. Über die Sprachsteuerung Ihres Handys nehmen Sie via TK-Safe Kontakt zu uns auf. Eine Ärztin oder ein Arzt wird per Video-Chat zugeschaltet, stellt eine erste Diagnose und schaut, wer vor Ort für Ihre Behandlung am besten geeignet ist. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird automatisch an Ihren Arbeitgeber geschickt. Ein Krankentransport wird unkompliziert über die Sprachsteuerung gerufen und bringt Sie zur weiteren Behandlung. Der Arzt oder die Ärztin hat dann bereits alle medizinischen Infos über Ihre elektronische Gesundheitsakte vorliegen. Mit ihrem beratenden TK-Mitarbeitenden besprechen Sie, wie Sie Ihre Behandlung optimal weiterführen und Ihren Familienalltag trotz des Unfalls geregelt bekommen.

Wie arbeitet die TK daran?

Ballast Es geht uns hierbei um ein neu gedachtes Kundenerlebnis. Wir stellen uns die Fragen: Wie kann man die Versorgung aus Sicht der Patienten verbessern? Wo können wir Prozesse für unsere Versicherten verschlanken? Welche Prozesse können wir automatisieren, damit unseren Servicemitarbeitenden mehr Zeit für die persönliche Kundenbetreuung bleibt?

Im Hinblick auf die Personalstrategie – wird es in einem digitalen Netz denn nur noch Siris und Alexas geben, die sich um die Versicherten kümmern?

Walkenhorst Oh nein! Digitalisierung, wie wir sie als TK verstehen, ersetzt beziehungsweise unterstützt zum Beispiel administrative Tätigkeiten – ersetzt aber nicht Arbeitsplätze und Menschen. Flexibilität und damit Lernfähigkeit sind gefragt, um in einer immer komplexer werdenden Umwelt mithalten zu können. Erst recht wenn es das Ziel ist, aktiv zu gestalten.

vorstandsinterview_content_01

„Die TK öffnet das Gesundheitssystem hin zu einer besseren Versorgung in einem digitalen Zeitalter.“

Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands

Wie lässt sich das erreichen?

Walkenhorst Dazu braucht es auch eine entsprechende Unternehmenskultur – und die muss sich, typisch für große Unternehmen, erst entwickeln. Wir wollen den Mut haben, uns Neues zu trauen, gestehen uns dabei offen Fehler ein und lernen daraus. Für uns heißt Lernen nicht Anwendung einer neuen Technik, sondern flexibel und offen zu sein für Neues.

Wir wollen nicht auf alten Verfahren und Denkweisen verharren. Und ganz wichtig: Führung muss dafür Vorbild sein, gute Zusammenarbeit vorleben und ein produktives Lernklima schaffen. Die Fähigkeit einer Organisation, schneller und nachhaltiger zu lernen als andere Unternehmen, ist auf lange Sicht der einzige tragfähige Wettbewerbsvorteil.

Baas Wichtig sind Prozesse aus einem Guss. Nur so können Zusammenarbeit und Informationsfluss zwischen Fachabteilungen und operativen Einheiten verbessert, Arbeitsabläufe stärker verzahnt, beschleunigt und überflüssige Schnittstellen aufgelöst werden. Diese Vernetzung ist der Schlüssel für den Erfolg in einem digitalen Netz. Wir wollen hin zu vernetztem Fachwissen, arbeiten in interdisziplinären Teams, die sich überregional vertreten und bundesweit zusammenwirken. Vernetzt sein, das heißt aber auch, den Kontakt zu Anbietern mit smarten, digitalen Lösungen im Gesundheitsbereich herzustellen.

Ballast Dieser „Kulturwandel“ betrifft wirklich alle der rund 14.000 Mitarbeitenden. Ich halte ihn für
elementar wichtig. Wir brauchen diese neue Art der Zusammenarbeit, um unsere
Unternehmensstrategie erfolgreich umzusetzen. 

vorstandsinterview_content_02

„Es geht uns um ein völlig neu gedachtes Kundenerlebnis. Dazu gehört auch die Frage, welche Prozesse wir automatisieren können, damit unseren Servicemitarbeitenden mehr Zeit für die persönliche Kundenbetreuung bleibt.“

Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender des TK-Vorstands

Wird die Digitalisierung nicht auch ein wenig überstrapaziert – sind denn alle Akteure im Gesundheitswesen schon so weit?

Ballast Ich denke, man muss differenzieren und sich an der Realität orientieren. Viele Möglichkeiten der Digitalisierung sind noch längst nicht ausgeschöpft. Wir müssen Schritt für Schritt gehen. In vielen Krankenhäusern wird heute noch mit Laufzetteln gearbeitet, viele Arztpraxen kommunizieren noch mit Faxgeräten. Problematisch bleibt die Integration innovativer Ideen im ersten Gesundheitsmarkt, zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Services mit Start-ups.

Baas Dennoch, die politischen Weichen sind gestellt. Jetzt müssen wir mit Volldampf vorankommen, um den internationalen Anschluss im Gesundheitssystem nicht zu verlieren.

vorstandsinterview_content_03

„Für uns heißt Lernen nicht Anwendung einer neuen Technik, sondern flexibel und offen zu sein für Neues.“

Karen Walkenhorst, Mitglied des TK-Vorstands

Zum Abschluss: Wo sehen Sie die TK in den nächsten drei Jahren?

Ballast 2018 war ein überaus erfolgreiches Jahr für die TK, und dazu haben alle TKlerinnen und TKler ihren Beitrag geleistet. Das wünsche ich mir für das Unternehmen auch in den kommenden Jahren.

Walkenhorst Als eine Organisation mit einer weiterhin so guten Kultur der Zusammenarbeit, die in Unternehmen dieser Größe ihresgleichen sucht.

Baas In einer klaren Vordenkerrolle im Bereich Gesundheit. Wir sind der führende Gesundheitspartner im Bereich Krankenversicherung und in einer zunehmend digitalen Welt ein wichtiger, aktiv gestaltender Teil des Gesundheitssystems. Oder kurz: Die TK öffnet das Gesundheitssystem hin zu einer besseren Versorgung in einem digitalen Zeitalter.

 

Der Vorstand der TK

Unsere Themenbereiche